Skip to main content

erfasst, verfolgt, vernichtet | Central | 20.30 Uhr

Wirklichkeit und Propaganda zur Anstaltspsychiatrie in Filmen der 1930er Jahre. Begleitprogramm zur gleichnamigen Ausstellung im Lichthof der Neuen Uni am Sanderring 2.

Einführungsvortrag von PD Dr. Maike Rotzoll, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Heidelberg

Vorfilm: Unbekannte Aufnahmen des Samariterbundes aus Grafeneck (8:30 Min.), D 1936 – Zustand vor T4 (Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart)
Die Aufnahmen des Samariterbunds sollen Einblick in den Alltag von Heil- und Pflegeanstalten im Deutschen Reich geben und zeigen Patienten und Patientinnen z.B. bei der Arbeitstherapie, oder wie sie in den Außenanlagen der Anstalten spazieren gehen. Diese filmische Darstellung des Anstaltslebens stellt einen deutlichen Kontrast zu den propagandistischen Filmen des „Rassenpolitischen Amtes“dar.

NS-Propagandafilm: „Erbkrank“, D 1936, Regie: Herbert Gerdes, 25 Min.
Der im Auftrag des „Rassenpolitischen Amtes“ produzierte propagandistische Stummfilm wurde ab 1936 in rund 5.000 – d.h. in allen deutschen Kinos – gezeigt. Der Film durfte nur zusammen mit einem Vortrag eines rassenpolitisch geschulten Arztes oder Amtsarztes gezeigt werden. Der Zuschauer richtet seinen Blick zunächst auf die elenden Lebensbedingungen in den Hinterhöfen deutscher Großstädte in der Weimarer Zeit, die mit der Darstellung der Versorgung psychisch Kranker und Behinderter in den Heil- und Pflegeanstalten kontrastiert werden. Mit dieser suggestiven Darstellungsweise vermeintlich „realer Verhältnisse“ sollte die deutsche Bevölkerung im Sinne der NS-Rasseideologie beeinflusst werden, um so eine breite Akzeptanz für Zwangsterilisationen und Tötungen von sogenannten „Erbkranken“zu erreichen.