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KOKON

Georgia Templiner und Walter Bausenwein: Ausstellung im Sudhaus

Sowohl Georgia Templiner als auch Walter Bausenwein beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema KOKON, jedoch auf sehr unterschiedliche Weise. Sie zeigen Bilder, Objekte und Installation.

Der Wunsch, eine gemeinsame Ausstellung zu gestalten, bestand schon länger und ergibt sich nun auf dem Bürgerbräugelände im ehemaligen Sudhaus, an einem Ort, der sich wandelt und verändert.

Das Thema KOKON könnte deshalb nicht treffender sein.

 

Walter Bausenwein
Eine eigene Werkgruppe in Walter Bausenweins Arbeiten, bilden die fragilen Tableaus aus den Seidenkokons geschlüpfter Seidenspinnerschmetterlinge. In klarer Anordnung erinnern die faszinierenden zarten Reliefs an die Entstehung der Seide, die in ihrer Symbolik seit alter Zeit mit den Mysterien von Tod und Auferstehung verbunden ist. Kokons sind Zurückgelassenes und Aufgefundenes. Als Verkörperung von Wandlung und Veränderung steht der Kokon. Alles unterliegt dem ewigen Kreislauf des Erneuerns, Veränderns und Vergehens.

Rot ist die Farbe, die ihn am meisten anspricht und die im Zusammenhang mit dem Material die faszinierendsten Ergebnisse bringt.Das augenfälligste Merkmal eines Stoffes ist seine Farbgebung. Durch die untrennbare Verknüpfung von farbigem Material in seiner technischen Verarbeitung ist ein Bild nicht einfach nur Rot: es hat Tiefe, ist anregend und üppig, grell, schreiend, kann beißen, es ist sanft und satt, edel oder luxuriös oder erotisch. Die Farbe wird in die Fasern des Seidensamts eingelagert, verändert so die Wirkung des Stoffs.

Die Färbung der Kokons wird auch bei völlig gleicher Farbbehandlung durch die Variationen der Materialreaktionen zu einer Vielfalt von Farbtönen führen, die alleine mit dem Pinsel und Farbmischungen nicht erreicht werden können. Walter Bausenwein kann sich so der natürlich-chemisch-physikalischen Aktionen bedienen und einen Austausch von natürlicher Aktion und kultureller Aktion in seinen Arbeiten provozieren. Er sagt: „Ich habe es schätzen gelernt, ein Stück Kontrolle an die Natur abzugeben.“

 

Georgia Templiner
Anders als bei Walter Bausenwein sind die Kokons von Georgia Templiner nicht der Natur entnommen sondern gestaltet, entweder schalenartig und hart (geschöpftes Papier und Gips) oder transparent und durchscheinend (Tesafilm und Wertstoffsäcke). Sie erinnern an Muscheln, Reptilienpanzer, Larven, aufgeschnittene Gespinnsthüllen.

Georgia Templiner stellt die Fragenpaare dazu in den Raum, war es Geborgenheit oder Gefangenschaft? Ist die Veränderung ein Verlust oder ein Schritt in die Freiheit? Bot die Hülle Schutz oder war sie doch vorrangig von der Erfahrung der Enge geprägt?

In den abstrakt-figürlichen Arbeiten schaut sie mit zeichnerischen Strich und temperamentvoller Gestik hinter die Fassade der Äusserlichkeit und zeigt Menschen, zermürbt, zerrissen, verletzlich, zerbrechlich und doch stabil in ihrer Empfindlichkeit. Eingewickelte Figuren, Mumien ähnlich, scheinen sich aus ihren Hüllen zu befreien. Die Arbeiten verkörpern Verletzlichkeit, Trauer, Wut aber auch Kraft, Lebendigkeit und Lust.

 

Die spannende Ausstellung lebt von der unterschiedlichen Herangehensweise und Annäherung der beiden Künstler an das Thema „KOKON“ und die Ausseinandersetzung mit einem wunderschönen Raum, der für dieses Vorhaben besonders geeignet ist.

Zur Vernissage findet eine Musik/Tanzperformance mit Markus Imhof und Johannes Beck-Neckermann  statt.

Öffnungszeiten: Sa 13.00 – 16.00 ,  So 15.00 – 18.00 ,  Do 18.00 – 20.00